Erlebnis + Kuratorinnen erzählen das Erlebnis der vier Museen

Beziehungszauber zwischen den Künsten

Behnisch Marc Schlemmer Ruf
Kunst

Oskar Schlemmer

Tänzerin (Die Geste),1922/23, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Graphik

Franz Marc

Der Turm der blauen Pferde, 1912, Vorzeichnung für das Gemälde von 1913, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Architektur

Architekten Behnisch & Partner

Wettbewerb Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele, München, 1967 © Architekturmuseum der TU München

Design

Sep Ruf

Sideboard aus dem Privathaus von Ludwig Erhard, 1954, Die Neue Sammlung - The Design Museum

Dr.-Ing. Irene Meissner
Architektin und Kuratorin am Architekturmuseum der TUM

Der „Beziehungszauber zwischen den Künsten“ (Thomas Mann) in der Pinakothek der Moderne schafft immer wieder neue Synergien. Dazu trägt das Architekturmuseum der Technischen Universität besonders in Bezug auf unsere gebaute Umwelt bei. Moderne Architektur ist durch gesellschaftliche und politische Entwicklungen, aber auch durch neue Techniken und Baustoffe bestimmt. Das Verständnis dieser Zusammenhänge ist wichtig, damit nicht nur die Oberflächen von Bauten rezipiert werden. Dies zu vermitteln, bestimmt einen wesentlichen Teil meiner Arbeit, u.a. auch mit den Studierenden der Architekturfakultät der TUM. Aufgrund meiner Forschungen und Interessen habe ich die folgenden Objekte ausgewählt:

Das legendäre „Damenstrumpfmodell“ steht für eine der bedeutendsten Bauleistungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Angeregt durch Frei Ottos leichtes Flächentragwerk des Deutschen Pavillons auf der Expo ’67 in Montreal gewann das Team um Günter Behnisch den Wettbewerb für das Olympiagelände in München mit dem Konzept eines „Daches über der Landschaft“. Die natürliche Hängeform der Konstruktion stellte sich im Modell durch das elastische Netz des auf Nadeln aufgespießten Nylonstrumpfes ein. Der Schritt zur Umsetzung in eine 34.500 Quadratmeter große Seilnetzkonstruktion war allerdings noch gewaltig und nur durch Hinzuziehung von Frei Otto möglich. Das leichte schwebende Dach wurde zum architektonischen Symbol eines neuen, demokratischen Deutschlands.

Architekten Behnisch & Partner: Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Karlheinz Weber; unter Mitwirkung von Jürgen Joedicke mit Tragwerksingenieur Heinz Isler, Wettbewerb Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele, München, 1967, Modell M 1: 1000, Fotografie: Architekturmuseum der TU München
Architekten Behnisch & Partner: Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Karlheinz Weber; unter Mitwirkung von Jürgen Joedicke mit Tragwerksingenieur Heinz Isler, Wettbewerb Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele, München, 1967, Modell M 1: 1000, Fotografie: Architekturmuseum der TU München
Oskar Schlemmer, Tänzerin (Die Geste),1922/23, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Oskar Schlemmer revolutionierte Tanz und Bühnendarstellung, insbesondere während seiner Zeit am Bauhaus. Er schuf das „Triadische Ballett“ (1922) und choreografierte die „Bauhaustänze“, die er mit den Studierenden einübte. Auf der Suche nach Grundformen der menschlichen Bewegung im Raum entwickelte er geometrisierte Typenfiguren. In diesem Zusammenhang entstand auch 1922/23 die „Tänzerin“, die einen abstrakten Raum mit ihrer Bewegung durchmisst und ihn damit erfahrbar macht. Durch die Reduktion auf geometrische Formen und eine Figur, die nur noch als Geste wirkt, zeigt Schlemmer eindrucksvoll das Verhältnis des Menschen zum Raum auf. Die Impulse, die von der Erprobung des Bühnenraums ausgingen, waren ein wichtiges Element der Ausbildung am Bauhaus.

Franz Marcs kleine Postkarte mit Neujahrsgrüßen an die befreundete Dichterin Else Laske-Schüler – „Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd“ – ist die einzige erhaltene Skizze zu dem seit Ende des Zweiten Weltkriegs verschollenen Ölgemälde. Zuletzt befand es sich es im Besitz von Hermann Göring, der das beschlagnahmte Werk aus der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ für seine private Kunstsammlung vereinnahmte. Blau versinnbildlichte für Marc das männliche, gelb das weibliche Prinzip. Auf kosmisch-mystische Zusammenhänge, die Marc für sich entwickelte, verweisen auch die mit Sternen und Halbmonden geschmückten Pferde, die sich unter einem Regenbogen auftürmen. Durch die Verbreitung einer seltenen Farbfotografie erhielt das verlorene Gemälde Berühmtheit.

Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde, 1912, Vorzeichnung für das Gemälde von 1913, Tusche und Gouache auf Karton, 143 x 94 mm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Schenkung Fohn © Staatliche Graphische Sammlung München
Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde, 1912, Vorzeichnung für das Gemälde von 1913, Tusche und Gouache auf Karton, 143 x 94 mm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Schenkung Fohn © Staatliche Graphische Sammlung München
Sep Ruf, Sideboard aus dem Privathaus von Ludwig Erhard, 1954, Die Neue Sammlung - The Design Museum
Sep Ruf, Sideboard aus dem Privathaus von Ludwig Erhard, 1954, Die Neue Sammlung - The Design Museum

1951–1954 entwarf Sep Ruf für den damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard einen modernen Flachdachbau am Tegernsee. Großflächige Verglasungen und Wandscheiben, die eine Verbindung mit der Natur herstellen, scheinen die Grenzen zwischen innen und außen aufzulösen. Diesem Prinzip der Transparenz und Leichtigkeit folgt auch die von Ruf entworfene Möblierung. Das schlichte, elegant schwebende Sideboard mit vier Schubkästen besteht nur aus zwei 2,40 Meter langen, dünnen Brettern, die über schmale gebogene Kufen gehalten werden. Erhard führte der Öffentlichkeit seine moderne Lebensweise und Wohnform stolz als Ausdruck einer neuen Lebensart vor, die moderne Architektur erhielt damit auch Vorbildfunktion.

Erlebnis+ - Was ist das

1 + 1 + 1 + 1 = 5

„Erlebnis +“ eröffnet das Spannungsfeld zwischen den vier Disziplinen der Pinakothek der Moderne und schafft eine fünfte und neue Perspektive auf das Gesamthaus. Kunst, Graphik, Architektur sowie Design werden gemeinsam erlebbar gemacht.

Weiterempfehlen

Facebook

WhatsAppWhatsApp nicht installiert