Über die Ausstellung
1. Klima als Dienstleistung. Die Niederlande gelten als die Vorreiter für die Entwicklung von High-Tech-Gewächshäusern. In einem exakt kontrollierten Klima wachsen Gemüse, Obst und Kräuter das ganze Jahr über, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Die ausgeklügelte Technologie dahinter ist selbst zu einem erfolgreichen Exportprodukt geworden und macht aber gleichzeitig dem normalen, natürlichen Anbau Konkurrenz.
2. Die Erdbeere und das Gewächshaus. Wie viele andere Früchte ist auch die Erdbeere heute fast das ganze Jahr über in Supermärkten erhältlich. Ein zeichnerischer Essay zeigt, welche Konsequenzen diese ständige Verfügbarkeit für die regionalen Produzent:innen im Raum München hat.
3. Der Lachs und die Tomate. Die Lachszucht ist zu einer globalen Industrie aufgestiegen. Doch ihr Wachstum hat einen hohen Preis: Für das Futter der Zuchtfische wird wild gefangener Fisch zu Fischmehl verarbeitet. Durch Überfischung ist die lokale Kleinfischerei einiger Küstenregionen in Westafrika zusammengebrochen. Viele Menschen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage und werden in die Migration auf die Kanarischen Inseln getrieben. Viele, die die gefährliche Überfahrt überleben, landen als Schwarzarbeiter – illegal und unter prekären Bedingungen – in den Gewächshäusern der Tomatenproduktion von Almería.
4. Tropicalia. Auf Sizilien sind die Folgen des Klimawandels schon heute dramatisch spürbar. Hitze, Dürre und unberechenbare Wetterextreme setzen der Landwirtschaft stark zu. Mit neuen Weizensorten und dem Anbau tropischer Früchte suchen Landwirt:innen nach Wegen, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
5. Das Tier ist anwesend. Der moderne Kuhstall ist ein Paradebeispiel für die zunehmenden Widersprüche und Absurditäten der heutigen Nahrungsproduktion. Digitale Steuerungssysteme, genetische Züchtungen und Reproduktionstechnologien bestimmen den Wettlauf um immer mehr Milch und Fleisch. Die Tiere werden auf maximale Leistung designt und sind in diesem System selbst nur noch (lebende) Maschinen – und der Landwirt ist zum Manager von vordefinierten Programmen und Robotik mutiert.
6. Technominotaurus. Eine Installation des ungarischen Künstlers und Forschers Daniel Szálai thematisiert die meist unsichtbare Rolle der Zuchtbullen als Träger genetischer Information. Die multimediale Installation verdeutlicht die Körperlichkeit und mythische Dimension der männlichen Tiere.
7. Oktopus-Choreographien. Am Beispiel der kleinen Küstengemeinde Angeiras im Norden Portugals wird die Arbeit und Produktionskette der lokalen Fischer:innen gezeigt. Neben Dorsch, Wolfsbarsch, Garnelen und Hummer fangen sie vor allem große Mengen an gewöhnlichem Oktopus. Der wachsende Fischbedarf durch den Tourismus kann aber in der Region längst nicht mehr gedeckt werden – doch der Oktopusfang hinterlässt deutliche Spuren in der gebauten Umwelt.
8. Mönche und Maschinen. Schon seit dem Mittelalter prägt die Karpfenzucht einen Teil der Kulturlandschaft in Bayern. Heute entstehen mit moderner Indoor-Aquakultur neue Formen der Fischzucht – sogar Meeresfrüchte wie Garnelen können nun im Binnenland gezüchtet werden. Neue Technologien versprechen mehr Effizienz und kürzere Transportwege für Produkte, die von immer mehr Konsumenten gekauft werden.
9. Hinterglobes. Damit die Menschen weltweit immer mehr Fleisch verspeisen können, müssen riesige Flächen für den Anbau von Tierfutter bereitgestellt werden – oft weit entfernt von den Orten, an denen die gigantischen Mengen von Rindern, Schweinen und anderen Tieren leben oder das Fleisch konsumiert wird. Das Konzept „Hinterglobes“ macht die territorialen Abhängigkeiten der Nahrungsproduktion sichtbar.
10. Soyscapes. Die weltweit steigende Nachfrage nach Soja – vor allem als Futtermittel für die Tierhaltung eingesetzt – bleibt die zentrale Ursache für die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes in Brasilien. Ein zeichnerischer Essay geht den oft undurchsichtigen Produktions- und Lieferketten nach Europa nach.
11. Die ukrainische Getreidekette. Die Ukraine hatte sich bis 2014 zu einer Supermacht der globalen Getreideproduktion entwickelt. Dieses Kapitel analysiert, wie der russische Angriffskrieg gezielt Silos, Bewässerungssysteme und Felder zerstört, mit Minen verseuchte Böden hinterlässt und damit auch die UN-Hilfsprogramme in Krisenregionen bedroht.
12. Lebendige Böden. Böden sind die fundamentale Grundlage fast aller Nahrungssysteme – ein lebendiges Geflecht aus Mikroorganismen, das Nährstoffe recycelt, Wasser filtert und Kohlenstoff speichert. Doch durch Überbauung, Überdüngung und Erosion schwindet die existenziell wichtige, aber auch limitierte Schicht der Erde unaufhaltsam – und mit ihr die Basis unserer Ernährung.
PROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG
One Hour with Andjelka Badnjar | CONVIVIUM. Food Systems at the Limit
In unserer Reihe „Eine Stunde mit…“ bieten Ihnen unsere Mitarbeiter*innen spannende Einblicke in ihre Arbeit. Erfahren Sie aus erster Hand, wie Ausstellungen entstehen, Sammlungen betreut werden und welche Geschichten sich hinter ausgewählten Werken verbergen.
Führung auf Englisch | Teilnahme im Eintrittspreis inbegriffen | Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen |Teilnahmetickets an der Museumskasse und im Webshop
In our series “An Hour with…,” our staff members offer you fascinating insights into their work. Learn firsthand how exhibitions are created, how collections are curated, and what stories lie behind selected works.
Participation is included in the admission price. Children and teenagers under 18 receive free admission. Limited number of spots available | Tickets available at the museum ticket office and in the online shop
Führung | Convivium – Nahrungssysteme am Limit
Entdecken Sie in unseren öffentlichen Führungen die aktuellen Sonderausstellungen und Highlights der Pinakothek der Moderne. Unsere Vermittler:innen laden zu einem anregenden Rundgang mit neuen Perspektiven und spannenden Einblicken ein.
Teilnahme im Eintrittspreis inbegriffen | Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren |
Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen | Kostenlose Tickets an der Tageskasse oder im Webshop

Broschüre zur Ausstellung
Die Broschüre zur Ausstellung können Sie hier herunterladen:
Publikation
Die Ausstellung wird begleitet von einer umfassenden Publikation, die zentrale Themen der Ausstellung durch Essays und Bildbeiträge vertieft.
Herausgeber:innen: Andjelka Badnjar und Andres Lepik
Mit Beiträgen von: von Grace Abou Jaoude, Betina Albrecht, Maximilian Atta, Andjelka Badnjar, Sepp Braun, Giulia Bruno, Jean-Marc Caimi, Niklas Fanelsa, Neal Haddaway, Nikolai Huber, Nicole Humiński, Diego Inglez de Souza, Natalie Judkowsky, Nikos Katsikis, Keed de Klein, Andres Lepik, María D. López Rodríguez, Jan Müller, Víctor Muñoz Sanz, Sofia Nannini, Raj Patel, Valentina Piccinni, Stefan Pielmeier, Olga Pindyuk, Réka Rozsnyói, Tiago Saraiva, Katrin Schneider, Johannes Schwartz, Gent Shehu, Rafael Sousa Santos, Carolyn Steel, Amelie Steffen, Sinan von Stietencron, Dániel Szalai, André Tavares, Mark Titley, Öykü Tok und José Luis Vicente Vicente
Format: 27,5 × 22 cm, ca. 256 Seiten, Hardcover // ArchiTangle, 2026
Gestaltung: strobo BM
Produktion und internationaler Vertrieb: ArchiTangle, Berlin
Die Ausstellung wurde von einer Reihe von Masterprojekten und Seminaren am Lehrstuhl für Architekturgeschichte und Kuratorische Praxis begleitet.
Closing the Circle. About Food and Spaces WS 2024/2025
About Food and Space(s). Exhibit Design (Film) SS 2025
CONVIVIUM Materiality WS 2025/2026
Design Build CONVIVIUM. The Kitchen as a Public Space
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Heute noch bis 18.00 Uhr geöffnet
Täglich 10.00 - 18.00 Uhr
Donnerstag 10.00 - 20.00 Uhr
Montags geschlossen
Barer Straße 40
80333 München












